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Boxee Box

Als irgendwann im Herbst 2010 die Boxee Box der Öffentlichkeit vorgestellt worden ist, war mein erster Gedanke “sinnlos“. Der Focus in der Werbung und in der Berichterstattung wurde damals auf Online-Inhalte gelegt. Bekanntermaßen sind Online-Inhalte, also wirklich lohnenswerte Inhalte, für die man auch gern sein Geld ausgeben würde, in Deutschland praktisch nicht existent. Zwischenzeitlich hat sich mein Bild allerdings gewandelt. Mein bisheriger Mediaplayer WDTV Live hatte mir zwar stets treue Dienste erwiesen. Doch mir fehlt bei diesem kleinen Kasten die wirklich tolle Ansicht der vorhandenen Medien, besonders der Filme und Serien, samt Cover und Filminfos. Etwas ähnliches Gibt es für das WDTV zwar auch, doch muss man sich dafür zu sehr verrenken, indem man eine Custom-Firmware auf sein Gerät spielt, um dann festzustellen, dass es doch nicht funktioniert. Lange Rede, kurzer Sinn: etwas Neues musste her. Das Kind im Manne freut sich immer wieder über ein neues “Kästchen”, mit dem man neue Dinge ausprobieren kann.

Ich gebe hier in loser Folge einige meiner Eindrücke wider, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Objektivität erheben.

Verarbeitung

Der kleine Kasten ist klein. Wirklich klein. Sieht man die Boxee Box auf Photos, ahnt man zuerst nicht, dass der verniedlichende Name Programm ist. Dadurch passt sie sich wunderbar in praktisch jede Umgebung an. Das Design des Gerätes und der Fernbedienung wird vielleicht nicht jedem gefallen, verglichen mit all dem Design-Schrott, den man sonst so im Geschäft bekommt, ist es aber ein Fortschritt. Vom schlichten, aber genialen Design eines Apple-TV, das hier zumindest bei der Fernbedienung Pate stand,  ist das Teil allerdings noch weit entfernt.

Die Verarbeitung ist robust. Nicht mehr, nicht weniger. Die Box selbst ist recht schlicht, mit einer glänzenden Schicht überzogen. Die Fernbedienung steht dem nicht nach. Sie selbst knirscht nicht, man muss nur beim Drücken des Steuerkreuzes einen Hauch mehr Druck ausüben als nötig wäre.

Fernbedienung

Drei Knöpfe und ein Steuerkreuz. Das ist alles, was die eine Seite der Fernbedienung ziert. Das ist nicht nur übersichtlich, es ist für die meisten täglichen Aufgaben, die man per Fernbedienung steuern will, vollkommen ausreichend. Die Rückseite besteht aus einer vollwertigen Tastatur. Wobei “vollwertig” bei dieser Größe natürlich relativ ist. Leider hat es D-Link nicht geschafft, eine lokalisierte Tastatur zu verbauen. So muss man damit leben, dass die Tasten Z und Y vertauscht sind. Daneben sind an der Seite einige kleine Zusatzknöpfchen angebracht, mit denen man das Menü aufrufen oder seine Eingaben löschen kann. Angesichts der Tatsache, dass man mit seinem Mediaplayer keine Romane schreiben wird, ist diese Tastatur recht gelungen und ausreichend.

Standyby

Die Box hat einen Standby-Modus. Dass der allerdings überhaupt etwas bewirkt, möchte ich anzweifeln. Der Lüfter wird dabei nicht ausgeschaltet, man merkt nicht, dass das Gerät in den Schlaf-Modus geht. Lediglich das beleuchtete Boxee-Logo auf der Geräte-Front wird ausgeschaltet. Das hat natürlich den Vorteil, dass die Box in Windeseile wieder betriebsbereit ist. Der Nachteil ist allerdings, dass das Gerät weiterhin unnötig Strom frisst. Der Lüfter der Box wird dabei gar nicht erst ausgeschaltet. Im Prinzip ist dieser Standby-Modus reichlich sinnlos.

Zur Wahl steht zum Glück aber auch das Herunterfahren des Gerätes. Das wird natürlich bequem per Fernbedienung erledigt. Doch was muss der faule Durchschnittsdeutsche machen, um das Ding wieder einzuschalten? Er muss seinen Hintern erheben und zum Gerät watscheln! Denn: es fehlt eine Power-Taste auf der Fernbedienung. Also tut man in seiner Not etwas für seine Fitness und steht immer wieder auf oder man begnügt sich mit dem Standby-Modus, der allerdings durch seinen laufenden Lüfter und den unnötigen Stromverbrauch nervt.

Der fehlende Ausschalter hat weiterhin zur Folge, dass man sich zum Ausschalten durch die Menüs zum Hauptmenü hangeln muss, um dort die entsprechende Funktion auszuwählen. Bei meinem WDTV Live war das wesentlich eleganter gelöst: Egal, wo man sich gerade befindet, man drückt auf den roten Power-Knopf und das Kinovergnügen ist sofort auf Eis gelegt. Das ist perfekt.

Fazit

Mein bisheriges Fazit ist etwas zwiegespalten. Einerseits ist das Gerät durch seine Erweiterbarkeit mit Apps und eine große Community auch für zukünftige Aufgaben gut gerüstet. Auch die Geschwindigkeit des Würfels ist sehr angenehm. Andererseits hat die Box an einigen unausgegorenen Dummheiten zu leiden, die man als Anwender leider erst nach ausführlichem Gebrauch bemerkt. Viele der von mir bemängelten Dinge sind Kleinigkeiten, die vielen Besitzern vielleicht gar nicht auffallen werden. Ich persönlich bin immer auf der Suche nach einem Gerät, bei dem ich so wenig wie möglich zu meckern habe. Das kann ich im Moment von der Boxee noch nicht behaupten.

Android und ich

Seit etwas mehr als einem Jahr besitze ich ein Samsung Galaxy S. Mein erstes und bisher einziges Smartphone.
Es ist ein Smartphone mit dem Betriebssystem Android. In dieser Zeit habe ich das System geschätzte 50 Mal neu installiert. Eine Installation ging dabei derart schief, dass das Handy alle Viere von sich gestreckt hatte und vom Samsung-Service wieder zum Leben erweckt werden musste. Bei dieser Gelegenheit muss ich Samsung für den zwar nicht schnellen, aber sehr unbürokratischen Kundendienst in höchsten Tönen loben.
In meiner Begeisterung kaufte ich mir im Android-Market sofort drei Apps. All die neuen Möglichkeiten mussten sofort ausprobiert werden. Bei diesen drei Apps sollte es dann aber auch bis heute bleiben. Zum Vergleich: im Frühjahr 2011 habe ich ein iPad bekommen. Innerhalb von drei, vier Monaten habe ich mindestens 50 Apps dafür gekauft.
Ca. drei Tage nachdem ich das Handy ausgepackt und gründlich ausprobiert hatte, also nachdem die Vorfreude bereits etwas abgeklungen war, bemerkte ich, dass nicht alles so rund lief, wie ich es mir erhofft hatte. Immerhin war das Galaxy S im Sommer 2010 eines der am höchsten gelobten Smartphones, die es auf dem Markt gab. Es war einer dieser immer wieder auftauchenden iPhone-Killer.
Ich bemerkte, dass das System immer wieder Aussetzer hatte, die sogenannten “Lags”. Ob beim Drücken einer Taste oder beim Starten einer App, es kam immer wieder zu Hängern, die mit der Zeit nicht weniger, sondern mehr wurden.
Das GPS hatte eine Genauigkeit beim Ermitteln meiner Position, die sehr stark an die Wettervorhersage erinnert. Es schien oft einfach zu raten, wo es sich gerade befand.
Kurz gesagt, das Gerät, oder besser gesagt, das System hatte einige Macken.

Viele Köche verbessern den Brei?
Zu dieser Zeit war gerade, glaube ich, Android 2.2 die aktuellste Version des Google-Betriebssystems. Es sollte allerdings bis Mitte November dauern, bis Samsung es geschafft hatte, diese Version auch für das Galaxy S zu veröffentlichen.
Man hatte nur zwei Möglichkeiten: mit den Fehlern leben und auf Samsung warten oder sich in der Custom-ROM-Szene umsehen.
Dort werden nicht nur frühe Beta-Versionen von Android veröffentlicht, dort werden vor allem bestehende Versionen verändert, angepasst, verbessert und teilweise derart umgekrempelt, dass man vom ursprünglichen System kaum noch etwas bemerkt.
Vieler dieser Entwickler leisten hervorragende Arbeit. Hat man etwas von einem Schrauber, kann man sich mit den Custom-Roms nach Herzenslust austoben.
Das allerdings ist mit einem erheblichen Aufwand an Recherche verbunden. Zuerst muss man diverse Foren durchforsten und sich einen Überblick über die verfügbaren Versionen und Modifikationen verschaffen. Oft gibt es von einer Modifikation mehrere voneinander getrennte Entwicklungszweige. Fehlerfrei ist keine davon. Bugfixes werden vielfach wöchentlich veröffentlicht, man kommt also aus dem Patchen nicht mehr heraus.

Otto-Normal-User
Will man jedoch als stinknormaler Benutzer einfach ein funktionierendes Gerät, will man sich nicht über Tage mit Foren und Anleitungen herumplagen, ist man allein auf weiter Flur. Im Endeffekt bleibt einem nur, auf die Gnade der Hersteller zu hoffen, zu hoffen, dass sie den Ausstoß an Updates für das eigene Gerät nicht aus heiterem Himmel einstellen.

Apps und so
Ich verschwende kaum viele Gedanken daran, ob ich mir eine App für mein iPad kaufen soll. Ist die App nützlich und dazu nicht allzu teuer, wird sie gekauft.
Bei meinem Handy reagiere ich dagegen vollkommen gegensätzlich. Ich überlege manchmal, ein, zwei kleinere Apps zu kaufen, doch schließlich entscheide ich mich immer wieder dagegen. Ich weiß nicht genau, woher diese Einstellung kommt. Es ist keine grundsätzliche Ablehnung von Android. Es ist schlicht dieses Gefühl des “Vorübergehenden”. In meinem Kopf hat sich die Einstellung festgesetzt, dass ich das gerade benutzte System nur vorübergehend einsetze, dass Samsung mein Gerät nur vorübergehend unterstützt (falls sie es nicht längst aufgegeben haben). Irgendwie scheint es sich einfach nicht zu lohnen, Geld für eine App auszugeben. Also lasse ich es einfach.
Zudem sehen viele Apps erschreckend gammelig aus. Man fühlt sich in die 80er versetzt. Es gibt so viele Apps, die sich so unglaublich schlecht bedienen lassen, begleitet von einem billigen Erscheinungsbild. Eine App zu bedienen ist auch etwas, das man mit den Sinnen tut. Es geht nicht immer um die reine Funktion.

Der unglaublich schnelle Zyklus an Neuvorstellungen immer wieder neuer Hardware tut ein Übriges dazu. Man verliert sich hoffnungslos im Dschungel neuer Hardware, neuer Bildschirmgrößen, neuer Konzepte.
Die Hersteller sind sehr innovativ, sie überfordern die Kunden aber auch damit. Bei Android-Geräten hat man mehr als bei anderen Sparten das Gefühl, dass die gerade gekaufte Hardware bereits bei Auspacken zum Sterben verurteilt ist, weil per Twitter bereits eine neue Version angekündigt wurde.

Offen vs. Apple-Knast. Bla.
Das wohl liebste Argument von Android-Verfechtern ist die Offenheit des Systems. Man möchte sich auf keinen Fall in seiner Freiheit beschneiden lassen. Ich denke, viele lieben an Android einfach nur die Möglichkeit, sich schnell und kostenlos mit Raubkopien zu versorgen. Es geht vielleicht gar nicht so sehr darum, sein Handy als Festplatte an seinem Rechner zu mounten, mit Daten zu bestücken, nach Lust und Laune zu ändern.
Erst letzte Woche wurde eine Studie veröffentlicht, nach der viele Entwickler die aktuelle Entwicklung beklagen. Es ist tatsächlich erschreckend einfach, sich nahezu jede App kostenlos aus dem Netz zu saugen. Vielleicht liegt es an den eingeschränkten Zahlungsoptionen im Market. Who cares…

IT-Taliban
Ich habe vor ca. acht, neun Jahren die fanatisch-intoleranten Linux-Verfechter im Heise-Forum als IT-Taliban bezeichnet. Heute würde ich das eher auf die Android-Fraktion anwenden. Bis vor wenigen Wochen habe ich diverse Android-Blogs im Google-Reader verfolgt. Bis mir die Intoleranz, der Hass auf alles außerhalb des eigenen Horizonts zu sehr auf die Nerven ging und ich sie alle gelöscht habe.
Ich habe seit Jahren nicht mehr so viel Hass auf ein Stück Blech und Plastik gesehen, wie in den Android-Blogs. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass der gewöhnliche Android-User sehr starke Minderwertigkeitskomplexe hat, was dazu führt, dass er blind auf alles eindrischt, was nicht von einem grünen Roboter verziert wird. Das kann man sehr schön an der Unzahl an “lustigen” Wallpapers und Collagen erkennen, in denen ein Android mit allerlei Mordwerkzeugen einen Apfel massakriert.

Nie wieder
Obwohl ich viele Dinge an Android mag, die es unter iOS nicht gibt, weiß ich, dass ich mir nie wieder ein Android-Gerät kaufen werde (es sei denn, es gibt irgendwann ein ähnliches Schnäppchen wie bei den Totgeburten des HP TouchPad).